Ein Sandkorn unter dem Lid kann heftig brennen, auch wenn es winzig ist. Reibt man dann am Auge, kann der kleine Partikel die empfindliche Hornhaut zusätzlich reizen oder verletzen.
Bei einem Fremdkörper im Auge kommt es auf ruhige, einfache Schritte an: Hände waschen, nicht reiben und vorsichtig spülen. Doch bei Chemikalien, Metallspänen oder Sehstörungen reicht Selbsthilfe nicht aus. Dann zählt schnelle medizinische Hilfe.
Fremdkörper im Auge: Die ersten Minuten richtig handeln
Bewahren Sie Ruhe und halten Sie das betroffene Auge möglichst geschlossen. Tränenfluss, Brennen und das Gefühl, etwas kratze unter dem Lid, sind häufig. Trotzdem sollten Sie nicht vorschnell versuchen, etwas herauszuholen.
Waschen Sie Ihre Hände gründlich mit Wasser und Seife, bevor Sie Ihr Gesicht oder die Augenpartie berühren. So gelangen keine zusätzlichen Keime, Staubpartikel oder Kosmetikreste ins Auge.
Reiben verschlimmert die Reizung
Reiben Sie das Auge nicht, auch nicht durch das geschlossene Lid. Der Fremdkörper kann sich sonst über die Hornhaut bewegen und dort feine Kratzer verursachen. Besonders unangenehm wird das bei Sand, Erde oder kleinen Fasern.
Schauen Sie nur vorsichtig im Spiegel nach, ohne am Augenlid zu ziehen oder auf den Augapfel zu drücken. Eine Wimper am Lidrand lässt sich manchmal durch Blinzeln und Spülen lösen. Sitzt etwas sichtbar auf dem Auge fest, lassen Sie es dort.
Kontaktlinsen nur ohne Mühe entfernen
Tragen Sie Kontaktlinsen, nehmen Sie sie nur heraus, wenn das leicht und schmerzfrei möglich ist. Waschen Sie vorher die Hände. Eine Linse kann einen losen Partikel festhalten, aber ein schmerzendes oder verletztes Auge sollte nicht weiter manipuliert werden.
Nach dem Herausnehmen gehört die Linse nicht wieder ins Auge, bevor die Beschwerden vollständig verschwunden sind. Bei anhaltendem Kratzen oder gerötetem Auge braucht es eine ärztliche Untersuchung.

Lose Partikel vorsichtig ausspülen
Handelt es sich wahrscheinlich um Staub, eine Wimper oder einen kleinen losen Krümel, ist Spülen der sicherste nächste Schritt. Geeignet sind sauberes, lauwarmes Leitungswasser oder sterile Kochsalzlösung aus der Apotheke.
Das Auge muss dabei nicht mit einem starken Wasserstrahl behandelt werden. Sanft und ausdauernd ist besser als viel Druck.
So gelingt das Spülen ohne zusätzliche Reizung
Neigen Sie den Kopf zur Seite des betroffenen Auges. Das Auge liegt dann tiefer als das gesunde Auge, damit Wasser und Partikel nicht hinüberlaufen. Lassen Sie sauberes Wasser vom inneren zum äußeren Augenwinkel fließen.
Halten Sie die Lider, falls nötig, nur vorsichtig mit sauberen Fingern etwas geöffnet. Blinzeln Sie mehrmals unter dem Wasser. Spülen Sie weiter, solange sich der Partikel noch bemerkbar macht, ohne dabei an der Augenoberfläche zu reiben.
Ein Becher, eine saubere Trinkflasche oder ein sanft laufender Wasserhahn reichen aus. Verwenden Sie keinen kräftigen Duschstrahl. Der kann das Auge zusätzlich reizen.
Nach dem Spülen genau beobachten
Ist das Fremdkörpergefühl weg, das Sehen normal und das Auge nur noch leicht gerötet, gönnen Sie ihm Ruhe. Verzichten Sie an diesem Tag auf Kontaktlinsen und Augen-Make-up.
Bleibt ein Kratzen zurück, obwohl nichts mehr sichtbar ist, kann die Oberfläche gereizt oder verletzt sein. Die Informationen von gesund.bund.de zu kleinen Fremdkörpern im Auge betonen ebenfalls, dass Chemikalien gründlich mit viel sauberem Wasser ausgespült werden müssen.
Anhaltendes Fremdkörpergefühl nach dem Spülen gehört ärztlich abgeklärt, auch wenn das Auge von außen unauffällig aussieht.
Bei Chemikalien sofort und anhaltend spülen
Gelangen Reinigungsmittel, Lösungsmittel, Säuren, Laugen, Batteriesäure oder andere Chemikalien ins Auge, beginnt die Erste Hilfe sofort. Suchen Sie nicht erst nach einer Augenspüllösung und versuchen Sie nicht, den Stoff mit einem Hausmittel zu neutralisieren.
Jede Verzögerung kann die Schädigung verstärken. Wasser ist in diesem Moment die wichtigste Maßnahme.
Die Spülung hat Vorrang
Spülen Sie das Auge umgehend mit reichlich sauberem Wasser. Halten Sie die Lider so gut wie möglich offen und neigen Sie den Kopf zur betroffenen Seite. Das Wasser soll vom inneren zum äußeren Augenwinkel laufen.
Spülen Sie mindestens 10 bis 15 Minuten. Bei starken Beschwerden oder einem unbekannten Stoff setzen Sie die Spülung bis zur medizinischen Versorgung fort, wenn das möglich ist. Kontaktlinsen entfernen Sie erst nach Beginn der Spülung und nur, wenn sie sich leicht lösen.
Auch Shampoo, Haarfarbe, Kalkreiniger oder Flüssigkeit aus einer Autobatterie können das Auge stark reizen oder verätzen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass ein nachlassendes Brennen Entwarnung gibt.
Verpackung sichern, Hilfe organisieren
Nehmen Sie, wenn möglich, die Verpackung oder ein Foto des Etiketts mit. Das hilft Ärztinnen, Ärzten oder dem Giftnotruf bei der Einschätzung des Stoffes. Die Spülung darf dadurch aber keine Sekunde später beginnen.
Nach jedem Chemikalienkontakt im Auge ist eine zeitnahe ärztliche Beurteilung nötig. Bei starken Schmerzen, Sehproblemen, ausgeprägter Rötung oder einem unbekannten ätzenden Produkt rufen Sie den Notruf 112.
Diese Warnzeichen verlangen sofort ärztliche Hilfe
Ein Fremdkörper im Auge ist nicht immer harmlos. Manche Verletzungen sind klein und trotzdem schmerzhaft, andere bleiben zunächst unauffällig. Entscheidend sind Beschwerden, Ursache und Unfallhergang.
Bei Kindern gilt eine besonders niedrige Schwelle zur Untersuchung. Sie können Schmerzen, Sehstörungen oder den Ablauf des Unfalls oft nicht zuverlässig beschreiben.
Schmerzen, Sehstörungen und Blutungen ernst nehmen
Suchen Sie unverzüglich eine Augenarztpraxis, Augenklinik oder Notaufnahme auf, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Starke oder zunehmende Schmerzen, deutliche Lichtempfindlichkeit oder ein anhaltendes Fremdkörpergefühl.
- Verschwommenes Sehen, Doppelbilder, ein Schatten im Gesichtsfeld oder eine plötzliche Sehverschlechterung.
- Blutung am oder im Auge, eine sichtbare Verletzung oder starke Schwellung.
- Beschwerden, die nach vorsichtigem Spülen nicht rasch besser werden.
Fahren Sie bei Sehstörungen nicht selbst mit dem Auto. Lassen Sie sich begleiten oder rufen Sie bei schweren Beschwerden den Rettungsdienst.
Metall, Glas und hohe Geschwindigkeit sind Notfälle
Nach Schleifarbeiten, Bohren, Hämmern oder Arbeiten mit Metall kann ein Span mit hoher Geschwindigkeit ins Auge gelangen. Auch Glas-, Stein- oder Holzsplitter können tiefer eindringen, als es zunächst aussieht.
Versuchen Sie nie, einen fest sitzenden Fremdkörper mit Pinzette, Wattestäbchen, Taschentuch oder Fingern zu entfernen. Ziehen Sie auch keinen Gegenstand heraus, der im Auge steckt. Üben Sie keinen Druck aus und suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Die passenden Anlaufstellen in Deutschland
Welche Stelle zuständig ist, hängt von der Schwere der Verletzung ab. Bei Unsicherheit ist es besser, früh anzurufen als einen möglichen Augennotfall zu unterschätzen.
Bei schweren Verletzungen 112 wählen
Rufen Sie 112 bei einer Verätzung, einem eingedrungenen oder fest sitzenden Gegenstand, einer deutlichen Sehverschlechterung, starken Schmerzen oder Blutung. Das gilt auch nach einem Unfall mit hoher Geschwindigkeit.
Während Sie auf Hilfe warten, spülen Sie bei Chemikalien weiter. Bei einem steckenden Gegenstand halten Sie das Auge möglichst ruhig. Decken Sie nichts fest auf dem Auge ab und drücken Sie nicht darauf.
Augenarzt, Augenklinik oder 116117
Ein Augenarzt oder eine Augenklinik ist die richtige Adresse bei Metallspänen, anhaltendem Kratzen, Lichtempfindlichkeit und unklaren Beschwerden. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die Telefonnummer 116117 bei der Suche nach dem ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Bei chemischen Produkten kann zusätzlich ein regionaler Giftnotruf beraten. Warten Sie auf diese Beratung jedoch nicht ab, bevor Sie spülen. Bei Kindern, einem verletzten Auge oder einer unklaren Ursache sollte die Untersuchung noch am selben Tag stattfinden.
Diese Hausmittel gehören nicht ins Auge
Tee, Kräuteraufgüsse, Milch, Öl oder Honig haben bei einem Fremdkörper im Auge keinen Platz. Sie sind nicht steril und können die Reizung verstärken. Auch selbst gemischte Salzlösungen sind keine gute Idee, wenn sauberes Wasser verfügbar ist.
Verzichten Sie ebenso auf Pinzetten, Wattestäbchen und zusammengefaltete Taschentuchecken. Solche Versuche schieben Partikel oft tiefer unter das Lid oder verletzen die Hornhaut.
Ein Fremdkörper im Auge braucht meist keine aufwendige Behandlung zu Hause. Saubere Hände, sanftes Spülen und ein wachsamer Blick auf Warnzeichen sind die sinnvolle erste Hilfe.
Was jetzt zählt
Bei einer losen Wimper oder einem Staubkorn helfen Ruhe und vorsichtiges Ausspülen oft rasch. Reiben, kratzen oder das Auge mit Gegenständen zu bearbeiten, erhöht dagegen das Risiko einer Verletzung.
Chemikalien, Metall, starke Schmerzen und jede Sehverschlechterung brauchen sofort medizinische Hilfe. Die sicherste Entscheidung ist dann, das Auge in Ruhe zu lassen und schnell fachärztlich abklären zu lassen.
